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Archiv 2014

 
25.06.2013

Im Portrait: Fawad Muhamadi - ein Asylwerber als Freiwilliger Mitarbeiter

„Wenn ich im Tageszentrum bin, kann ich andere Probleme vergessen“, erzählt Fawad Muhamadi. Der 18-Jährige floh vor fast zwei Jahren ohne Begleitung aus dem Iran nach Österreich und verbringt das Warten auf den Asylbescheid als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Rahmen der Freiwilligen-Netzwerke Salzburg.

Die ehrenamtlichen Stunden im Tageszentrum Gnigl und im Gesundheits- und Sozialzentrum Süd sind wöchentliche Höhepunkte für Fawad Muhamadi. Das gemeinsame Plaudern und Singen, die Spaziergänge oder auch die Mithilfe beim Wäsche- und Geschirrwaschen helfen ihm, die Erfahrungen der Flucht zu verarbeiten und das Warten auf den Asylbescheid erträglicher zu machen. Außerdem kann er dadurch die deutsche Sprache üben und lernt die österreichischen Sitten besser kennen. Denn als der gebürtige Afghane nach Österreich kam, waren die Sprache und die Kultur für ihn eine große Herausforderung.

Besonders schade findet er, dass er nur schwer mit Österreichern in Kontakt kommt. Viele Leute hätten wohl Angst und würden nicht auf ihn zugehen, erklärt er. „In der Gesellschaft ist es schwer, ins Gespräch zu kommen. Im Tageszentrum nicht“, sagt Muhamadi. Es mache ihm sehr viel Spaß, wenn er zwei Nachmittage in der Woche mit den alten Menschen und den MitarbeiterInnen verbringen kann. Besonders gerne mag er einen älteren Tageszentrumsgast, der aufgrund seiner Demenzerkrankung leider immer wieder vergisst, dass er die Zeitung bereits mitgenommen hat. Freude macht es ihm auch, wenn er älteren Menschen z.B. beim Einkaufen im Supermarkt behilflich sein kann.

Hoffen auf eine lebenswerte Zukunft 

Von den Freiwilligen-Netzwerken Salzburg hat Fawad Muhamadi durch das Projekt „Minerva“ erfahren, über das er den Hauptschulabschluss nachholt.  „Ich habe viel Zeit und wusste nicht, was ich tun soll. Die Chefin von Minerva hat von der Freiwilligenarbeit erzählt. Und jetzt bin ich bei Frau Wallmann im Gesundheitszentrum und im Tageszentrum“, erzählt Fawad Muhamadi und schwärmt über sein Ehrenamt: „Es ist ein neues Leben. Es wird immer gelacht und die Menschen sind so freundlich.“

Diese positive Stimmung tue ihm gut und lenke ihn von Problemen mit anderen Flüchtlingen, Alltagsrassismus und dem Bangen um seine Zukunft ab. Im Iran sei es aber viel schlimmer gewesen, erzählt er. Als Flüchtlinge aus Afghanistan waren er und seine Familie täglicher Gewalt ausgesetzt, aufgrund ihrer Herkunft wurden sie von Zivilisten und Polizisten auf offener Straße ausgeraubt. Abends verließen sie aus Angst nicht mehr das Haus und schließlich durften sie nicht einmal mehr arbeiten. Der einzige Ausweg war die erneute Flucht. Fawad Muhamadi floh ohne Begleitung, erst ein Jahr später konnten auch seine Eltern und Brüder fliehen. „Ich hatte keine Zukunft, aber hier ist ein guter Platz und ich werde ein guter Krankenpfleger werden“, sagt Muhamadi, der durch das Ehrenamt seinen neuen Wunschberuf kennengelernt hat und auf eine lebenswerte, „normale“ Zukunft mit Arbeit, Wohnung und Familie hofft.

Im Bild: Michaela Wallmann, Leiterin des Gesundheits- und Sozialzentrum Süd, und Fawad Muhamadi mit einer treuen Besucherin.

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