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Archiv 2015

 
29.06.2015

Erfolgreich gegen Einsamkeit: Besuchsdienst feiert 5. Geburtstag

Langjährige Freiwillige werden ausgezeichnet

Einen entspannten Spaziergang, ein gemütliches Plauderstündchen pro Woche oder auch gemeinsame Ausflüge und Spielenachmittage genießen: Die Freiwilligen-Netzwerke, der Besuchsdienst von Stadt Salzburg und Diakoniewerk, wurde ursprünglich als Nachbarschaftsprojekt konzipiert. Jüngere SeniorInnen sollten betagteren Menschen regelmäßig Gesellschaft leisten, um der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken. Die Praxis zeigt aber, dass das Interesse am Besuchsdienstangebot vielseitiger ist, als ursprünglich angenommen.

„Wir haben 2010 das Modellprojekt in Salzburg Süd mit dem Ziel gestartet, um mit einem kostenlosen Besuchsdienst einer möglichen Vereinsamung entgegenzuwirken“, erklärt Bürgermeister-Stellvertreterin Mag. Anja Hagenauer. Bereits im ersten Jahr habe sich gezeigt, dass ein großer Bedarf gegeben ist. „Immer mehr Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet haben Interesse am Besuchsdienst bekundet. Schnell war klar, dass wir die „Freiwilligen-Netzwerke“ breiter aufstellen und für die professionelle Koordination auch mehr finanzielle Mittel in die Hand nehmen müssen“, resümiert Hagenauer. Denn die Einsamkeit in einer Stadt betrifft nicht nur hochbetagte Menschen, deren soziales Umfeld über die Jahre immer kleiner wird. „Auch Menschen im mittleren Alter haben sich an die Koordinatorinnen des Diakoniewerks gewandt, um wieder vertrauensvolle Kontakte aufbauen zu können“, berichtet Hagenauer. Aus diesem Grund wurde der Besuchsdienst im Verlauf von fünf Jahren auf ganz Salzburg ausgedehnt. Drei teilzeitbeschäftigte Mitarbeiterinnen des Diakoniewerks sind aktiv, um Freiwillige sowie Menschen, die den Besuchsdienst nutzen möchten, kennenzulernen und miteinander in Kontakt zu bringen. Die Stadt Salzburg finanziert die „Freiwilligen-Netzwerke“ heuer mit 51.000 Euro.

Ein Besuchsangebot unabhängig von Alter und Herkunft

Eine „Öffnung der Altersstruktur“ zeigt sich auch auf Seiten der Freiwilligen, wie MMag. Michael König, Geschäftsführer Diakoniewerk Salzburg, bestätigt. Menschen jeden Alters haben Interesse, als ehrenamtliche BesucherInnen mitzumachen. „Aktuell sind über 60 Freiwillige - Studierende, Berufstätige aber auch jüngere und ältere PensionistInnen - beim Besuchsdienst im Einsatz“, berichtet König. Seit etwa drei Jahren sind auch AsylwerberInnen im Team mit dabei. „Dass sich Flüchtlinge freiwillig engagieren, hat sich zufällig ergeben. Umso mehr freut es mich, dass wir mit diesem Angebot eine gute Möglichkeit zur Integration schaffen können“, sagt König.

Für die Asylwerber bieten die „Freiwilligen-Netzwerke“ nicht nur eine sinnvolle Aufgabe während des oft lange dauernden Verfahrens, sondern auch eine weitere Möglichkeit Deutsch zu lernen und die österreichischen Lebensweisen kennenzulernen. Gleichzeitig bekommen auch die Menschen, die von Flüchtlingen besucht werden, einen Einblick in andere Lebenswelten.

„Insgesamt freuen sich die SeniorInnen als auch die Freiwilligen über die wechselseitige Bereicherung“, berichtet König. Gerade für Menschen im Alter ist der regelmäßige Besuch eine willkommene Abwechslung im Alltag. Für viele bedeutet es, wieder die eigene Wohnung verlassen und einen Spaziergang machen zu können oder überhaupt jemanden zum Reden zu haben. „Die herzlichen Begegnungen schätzen auch die Freiwilligen. Sie erleben, wie die SeniorInnen manch schwierige Situation im Alter meistern, und erhalten positive Resonanz auch von Seiten der Angehörigen“, erklärt Michael König.

Besuchsdienst mit systemischer Wirkung

Auch die Entlastung für (pflegende) Angehörige war von Anfang an ein wichtiges Ziel der „Freiwilligen-Netzwerke“. Dabei hängt diese gar nicht so sehr davon ab, ob überhaupt ein regelmäßiger Besuchskontakt zustande kommt. Für viele Angehörige sind bereits erste Kontaktgespräche mit der Koordinatorin sehr erleichternd. Allein die Tatsache, dass es bei Bedarf Hilfe gäbe, wirkt sich entlastend auf die Familie aus.

Die Freiwilligenkoordinatorinnen des Diakoniewerks berichten auch von Anfragen, bei denen sich im Kennenlerngespräch die notwendige Unterstützung durch einen professionellen Hilfsdienst herausstellt. Und die mobilen Dienste wiederrum vermitteln Besuchsdienstinteressierte an die „Freiwilligen-Netzwerke“, die sich als Ergänzung zu mobilen und teilstationären Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen verstehen.

Individueller Einsatz mit professioneller Begleitung

Wird schließlich konkret ein Besuchsdienst gewünscht, achten die Koordinatorinnen darauf, dass die Menschen und ihre BesucherInnen gut zueinander passen. 122 Besuchsdienste wurden in den ersten fünf Jahren erfolgreich vermittelt. Alleine im Jahr 2014 haben die Freiwilligen mehr als 3.750 ehrenamtliche Besuchsstunden geleistet.

Die Arbeit der Koordinatorinnen umfasst auch die Organisation begleitender Fortbildungen sowie von Supervision und regelmäßiger Treffen, damit sich die Freiwilligen über schwierige Besuchssituationen austauschen können.

Im Bild
Freiwillige seit der ersten Stunde: Ernst Kittl und Gloria Hennerbichler wurden kürzlich von Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer, Koordinatorin Michaela Wallmann und Diakoniewerk Salzburg Geschäftsführer Michael König für ihr langjähriges Engagement geehrt.


Langjährige Freiwillige werden ausgezeichnet